Schlussworte

Nun, da mein Praktikum beim icipe zu Ende ist und ich schon wieder im schweizerischen Alltag angekommen bin, widme ich mich noch ein letztes Mal meinem Blog. Ich möchte hier einige meiner persönlichen Schlussfolgerungen aufführen: Was ist mein persönlicher Eindruck des Projekts vom icipe, von Biovision und von weiteren Partnern? Sind Resultate sichtbar? Welches sind meine positivsten Erlebnisse im Projekt und wo liegen meiner Meinung nach die grössten Herausforderungen?

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Ein Kleinbauer hält den Setzling einer Medizinalpflanze in der Hand.

Die Eindrücke der letzten drei Monate in einige wenige Worte zu fassen, ist praktisch unmöglich sogar dann, wenn ich nur an das „Berufliche“ denke. Trotzdem versuche ich im Folgenden, meine wichtigsten Erkenntnisse rund um mein Beispielprojekt für euch festzuhalten.

1. Was ist mein persönlicher Eindruck des Projekts „Sustainability of medicinal plants-based enterprises and biomonitoring of environmental health for targeted communities in Kenya and Tanzania„?
In Kenia angekommen musste ich erst einmal lernen, dass Vieles ganz anders abläuft als in der Schweiz. Anfangs fragte ich mich oft, ob mit den mir chaotisch scheinenden „Strukturen“ der Projektumsetzung wohl überhaupt irgendetwas erreicht werden kann aber diese Zweifel wurden beseitigt. Spätestens während meinem ersten Feldaufenthalt im Kakamega Regenwald wurde mir klar, dass das „Chaos“ gar keines war, bzw. dass mein Gefühl der Unübersichtlichkeit einfach auf die Komplexität und die Vielseitigkeit des Projekts zurückzuführen war. Bei den vielen Themen und Bereichen, die das Projekt umfasst, ist es logischerweise nicht einfach, den Überblick zu behalten.

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Zwei junge Kleinbauern lesen die neueste Ausgabe des „The Organic Farmer“-Magazins, um mehr über nachhaltige Landwirtschaft zu erfahren.

Genau diese Vielseitigkeit des Projekts sehe ich aber im Allgemeinen als eine grosse Stärke. Die Wirkungszusammenhänge zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt sind nunmal sehr kompliziert und ich denke, dass sich die Entwicklungszusammenarbeit daran anpassen muss. Es würde wenig Sinn machen, die Kleinbauern und -bäuerinnen in nachhaltiger Landwirtschaft auszubilden, ohne ihnen den Nutzen davon zu erklären. Es wäre zu kurz gegriffen, nur den Anbau von Medizinalpflanzen zu fördern, ohne dabei an den längerfristigen finanziellen Gewinn für die Kleinbauern und -bäuerinnen zu denken. Und es wäre verlorenes Potenzial, das vorhandene Wissen nicht an die nächste Generation weiterzugeben oder in schriftlicher Form festzuhalten. Kurz: das Projekt wäre aus meiner Sicht niemals gleichermassen wirksam, wenn es nicht all diese verschiedenen Bereiche miteinbeziehen würde.

Und dass das Projekt wirksam ist bzw. „funktioniert“, davon bin ich aufgrund meiner persönlichen Eindrücke vor Ort überzeugt.

2. Sind Resultate sichtbar?
Da ich keine professionelle Projektevaluatorin bin (im Gegensatz zu Christopher, siehe auch „Die Projektevaluation – eine komplexe Angelegenheit„), kann ich nicht mit Zahlen belegen, dass das Projekt wirklich wirksam war. Aber ich kann euch von meinen Eindrücken erzählen:

Für mich gibt es Resultate des Projektes, die ganz klar sichtbar waren, wie zum Beispiel die Bestäubergärten bei Kleinbauernfamilien zuhause und in verschiedenen Schulen, diverse schriftliche Anleitungen zu biologischen Anbaumethoden in den Händen von Kleinbauern und -bäuerinnen, das gut ausgerüstete Gebäude des Muliru Farmers Conservation Group Enterprise  und dann natürlich die Medizinprodukte selbst.

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Der Naturub-Balm ist eines der Medizinprodukte, welches im Rahmen des Projekts entwickelt wurde und mittlerweile in lokalen Apotheken zum Verkauf angeboten wird.

Allerdings denke ich, dass diese Resultate nicht die Wichtigsten sind, sondern weitaus bedeutender erscheinen mir meine Erlebnisse im direkten Kontakt mit den Kleinbauern und -bäuerinnen.

3. Was sind meine positivsten Erlebnisse im Projekt?
Ein sehr positives Erlebnis war es für mich, als ich im Muliru Farmers Conservation Group Enterprise zufällig sah, wie eine Kleinbäuerin vorbeikam und ihre Medizinalpflanzen dem Unternehmen verkaufte. Dass Medizinalpflanzen lokal angebaut und im Unternehmen vor Ort verarbeitet werden, ist also kein Märchen, sondern passiert wirklich. Auch konnte ich erleben, wie mir ein Kleinbauer voller Stolz seine Bienenstöcke zeigte und war sehr beeindruckt, als mich ein anderer durch einen kleinen Wald aus Medizinalbäumen führte, den er vor etwa zehn Jahren selbst angebaut hatte.

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Diesen Wals aus Medizinalpflanzen hat ein Kleinbauer am Rande des Kakamega Regenwalds vor etwa zehn Jahren angebaut. Bis heute kann er von den Früchten und der Rinde der Bäume profitieren.

Auch erzählten mir viele Kleinbauern und -bäuerinnen persönlich, dass sie vom Projekt profitieren. Mehr Details zum Beispiel von Veronica und ihrer Familie findet ihr unter folgenden Links:
Video: Ein innovativer Ansatz zum Schutz des Regenwalds
Ein Schaf und eine neue Küche Artikel auf der Biovisions-Website über Veronica und ihre Familie
PDF Brochure über Veronicas Familie und ihren Profit vom Projekt (auf Englisch)

4. Wo liegen meiner Meinung nach die grössten Herausforderungen im Projekt?
Eine grundlegende Herausforderung für mein Beispielprojekt (wie wohl auch für viele weitere Entwicklungszusammenarbeitsprojekte) ist aus meiner Sicht die teilweise fehlende Infrastruktur. Die Kleinbauern und -bäuerinnen im Kakamega-Regenwald verfügen zum Beispiel nur selten über Laptops oder Computer mit Internetzugang. So muss die Wissensverbreitung über andere Kanäle wie übers Radio oder via persönlichen Schulungen stattfinden, und das nimmt einige Zeit in Anspruch.

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Kleinbauern und -bäuerinnen während einer Schulung zu nachhaltiger Landwirtschaft.

Eine weitere Herausforderung für das Projekt „Sustainability of medicinal plants-based enterprises and biomonitoring of environmental health for targeted communities in Kenya and Tanzania“ besteht meiner Ansicht nach darin, dass es für die Unternehmen schwer ist, sich im Markt zu etablieren. Am Anfang der Projektphase war das icipe selbst ein grosser Abnehmer für die extrahierten Pflanzenöle. Doch nun, da die Forschung an den Produkten abgeschlossen ist und diese auch in Apotheken verkauft werden, ist der Erfolg des Unternehmens direkt von der Nachfrage der Produkte abhängig. Um das Potenzial des Muliru Farmers Conservation Group Enterprise vollständig ausschöpfen zu können, muss noch mehr in Marketing-Aktivitäten investiert werden.

Die Liste mit den Herausforderungen wäre natürlich noch lange aber ebenso die Liste mit den Lösungen, die während der Projektumsetzung für die laufend anstehenden Schwirigkeiten bereits gefunden wurden!

5. Fazit
Die letzten drei Monate waren für mich einfach unbeschreiblich. Ich konnte dank dem konkreten Einblick in ein Entwicklungszusammenarbeitsprojekt aus ganz verschiedenen Perspektiven sehr viel lernen und mich persönlich von der Wirksamkeit eines spezifischen Projekts überzeugen. Und obwohl ich (wie bereits erwähnt) für euch keine eigentliche „Projektevaluation“ vollziehen kann, kann ich euch wenigstens versichern, dass meine Eindrücke mich sehr positiv stimmen. Ich bin mir sicher, dass es das Projekt geschafft hat, im Kakamega Regenwald einiges zum Besseren zu wenden. Und das ist aus meiner Sicht das wirklich Wichtige.

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Veronica und ihre Familie können von dem Projekt direkt profitieren und werden mir als wunderbare Gastgeber in bester Erinnerung bleiben.

6. Abschied
Ja, und nun heisst es Abschied nehmen von meinem Blog. Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir nach wie vor gerne einen Kommentar hinterlassen – ich werde versuchen, euch bestmöglich zu antworten 🙂

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen treuen LeserInnen und Kommentare-SchreiberInnen bedanken, die mich während der drei Monate in Kenia nie im Stich liessen. Auch geht ein ganz grosses MERCI an Biovision für die persönliche und finanzielle Unterstützung während meiner Kenia-Zeit und ans icipe für den super-spannenden Einblick in die Umsetzung eines Entwicklungszusammenarbeitsprojektes. Und last but not least möchte ich auch der Schweizerische Studienstiftung für den finanziellen Zuschuss meinen Dank aussprechen.

Nun wünsche ich euch allen einen schönen (und hoffentlich nicht mehr allzu heissen) Sommer und hoffe, dass euch meine Blogbeiträge zum Nachdenken und vielleicht auch zur einen oder anderen Spende an Biovision angeregt haben 😉

 

2 Gedanken zu „Schlussworte

  1. Liebe Daria Vorab noch einmal besten Dank für deine Informationen. Ich danke dir dafür, dass du deine Artikel so gestaltet hast, dass sie gut zu lesen waren und du damit Verständnis auch bei nicht fachkundigen Leuten geweckt hast. Durch die sehr schönen und aussagekräftigen Bilder hast du ebenfalls dazu beigetragen, das Interesse an deinen Informationen zu wecken. Ich habe sehr viele sympathische und freundliche Gesichter auf deinen Bildern gesehen und ich spürte auch dadurch, dass du freundlich und freundschaftlich aufgenommen wurdest da, wo du etwas zu tun hattest. Schön bist du diese Erfahrungen reicher geworden und hast uns an deinen Aufgaben, Aufträgen, Erlebnissen und Bekanntschaften ein wenig teilhaben lassen. Danke vielmals. Ich wünsche dir auch weiterhin viele interessante Erfahrungen auf deinem Interessensgebiet.
    LgU

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