«Die Regierung sollte mehr in Forschung und Wissenschaft investieren»

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Louis Allan Okwaro

Louis Allan Okwaro arbeitet in den Laboren des «Bee Health»-Gebäudes am icipe, wo auch ich meinen Arbeitsplatz habe. Als Primarschüler erlebte er Entwicklungszusammenarbeit hautnah – mittlerweile hofft er als junger Forscher auf bessere Arbeitsperspektiven in seinem Heimatland.

Name: Louis Allan Okwaro

Alter: 28

Beruf: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am icipe

Wohnsituation: Ich lebe alleine in einer Einzimmerwohnung in der Nähe des icipe.

Was ist dein grösster Traum? Ich hoffe, bald ein Doktorat machen zu können. Momentan bin ich daran, mich unter anderem in Deutschland dafür zu bewerben.

Was ist dein Lieblingsort in Kenia? Von den Orten, die ich bisher gesehen habe, ist Nairobi mein Lieblingsort. Hier werden die Dinge relativ schnell erledigt, nicht wie in Mombasa zum Beispiel.

Womit hast du dein erstes Geld verdient? Ich habe nach dem Gymnasium als Lehrassistent Kinder der Primarschule in Englisch, Naturwissenschaften und Geografie unterrichtet. Das war ein Vollzeitjob; es war damals obligatorisch, nach dem Gymnasium zwei Jahre zu warten, bevor man mit Studieren beginnen konnte. Ursprünglich waren diese zwei Jahre für den National Youth Service vorgesehen gewesen, dieser wurde dann irgendwann um 1990 herum abgeschafft. Dadurch gab es viele SchülerInnen, die an den Unis Vorrang hatten, weil sie ja das Gymnasium bereits früher abgeschlossen hatten. Und deswegen musste ich diese zwei Jahre irgendwie anders verbringen. Seit 2012 kann man nun aber wieder direkt nach dem Gymnasium mit Studieren beginnen.

Wie verläuft ein gewöhnlicher Wochentag bei dir? Ich stehe um 6:30 Uhr früh auf, danach koche ich Wasser auf, um warm duschen zu können. Theoretisch hätte ich eine Dusche, aber momentan sind die Leitungen leer. Danach trinke ich Schwarztee und esse Brot; manchmal auch ein Spiegelei. Um 7:45 Uhr verlasse ich meine Wohnung und komme dann etwa um 8:00 Uhr beim icipe an. Dort angekommen plane ich erst mal meinen Tag. Ich verbringe im icipe viel Zeit mit der Extraktion von DNA und RNA im Labor. Wir versuchen so, Schädlinge von Honigbienen zu diagnostizieren. Auch Datenanalyse am Computer ist ein Teil meiner Arbeit. Zur Mittagszeit habe ich eine Stunde Pause, in der ich mein mitgebrachtes Essen aufwärme und zu mir nehme. Am Nachmittag geht die Arbeit weiter und etwa um 20:00 Uhr abends verlasse ich dann das icipe. Zuhause angekommen schalte ich den Fernseher an und koche ich mir etwas – manchmal esse ich aber auch einfach nur Brot und trinke Tee. Und etwa um 21:00 oder 21:30 Uhr gehe ich ins Bett.

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Allan bereitet im Labor kleine Behälter mit Enzymen und anderen Molekülen für die Lagerung vor. Diese werden zur molekularen Diagnose von Krankheitserregern von Honigbienen verwendet.

Hast du schon einmal Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis erlebt? Und wenn ja: Was war daran positiv, was negativ? Während meiner Primarschulzeit hat eine Dänische Nonne, Schwester Mariana, bei uns im Dorf Schulen aufgebaut. Es gab auch den Internationalen Christlichen Unterstützungsfonds, welcher veranlasste, dass die Kinder auf unserer Schule die nötigen Medikamente bekommen konnten. Und später auf der Arbeit hörte ich vom Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung IFAD, welcher Kleinbauern in der Bienenhaltung ausbildete.

Über den IFAD kann ich nicht viel sagen, das habe ich nur am Rand mitbekommen. Bei der Arbeit von Schwester Mariana gab es, glaube ich, einige Korruptionsprobleme. Diejenigen, die mit dem Bau der Schulen beauftragt wurden, gaben das Geld manchmal auch für andere Dinge aus.

Als sehr positiv habe ich die Arbeit des Internationalen Christlichen Unterstützungsfonds erlebt, weil so plötzlich viel mehr Kinder in die Schule kamen. Auch haben die Mitarbeitenden den persönlichen Kontakt mit den Kindern gesucht; gerade letztens hat wieder jemand bei mir nachgefragt, wie es mir so geht. Ich finde das schön und es motiviert mich, wenn sich jemand Aussenstehendes dafür interessiert, was ich in meinem Leben erreiche.

Was bereitet dir am meisten Sorgen? Mir bereitet es grosse Sorgen, dass ich mich in einem beruflichen Feld bewege, in welchem es in Kenia praktisch keine Arbeitsplätze gibt. Die Regierung investiert sehr wenig in Forschung und Wissenschaft; ich werde also ins Ausland gehen müssen, um mein Doktorat absolvieren zu können. Und wenn es sich ergibt, kann ich mir auch vorstellen, dort noch ein, zwei Jahre weiterzuarbeiten – aber ich werde immer hierher zurückkommen wollen.

Was wünschst du dir für dein Land? Ich wünsche mir eine gute Regierungsführung. Das heisst für mich, die Jungen sollten involviert und die Korruption bekämpft werden. Wegen der Korruption nehmen nämlich einzelne Personen all das weg, was eigentlich uns allen zustehen würde, und viele Arbeitsplätze gehen verloren. Auch wünsche ich mir, dass die Regierung mehr in die Wissenschaft investiert, um jungen Forschern eine Perspektive zu bieten und sie darin zu ermutigen, ihr Land vorwärts zu bringen.

Ein Gedanke zu „«Die Regierung sollte mehr in Forschung und Wissenschaft investieren»

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