«Als nächstes möchte ich die Push-Pull Technologie auf dem Maisfeld meines Sohnes einführen»

IMG_3960

Nixon Onyimbo

Nixon Onyimbo ist einer der Mitarbeiter in meinem Beispielprojekt. Ich habe mit ihm viele Tage im Feld verbracht und viel von ihm gelernt. Nixon hat schon in mehreren Entwicklungszusammenarbeitsprojekten gearbeitet und wendet sein Wissen auch auf der eigenen Farm an.

Name: Nixon Onyimbo

Alter: 42

Beruf: Techniker am icipe

Wohnsituation: Ich lebe in Nairobi alleine in einer Einzimmerwohnung. Zuhause in Samia haben wir ein eigenes Haus, in welchem ich jeweils meine Ferien mit meiner Frau und meinen fünf Kindern verbringe.

Was ist dein grösster Traum? Ich möchte das Leben von einzelnen Menschen zum besseren verändern, so wie es meine Mutter auch gemacht hat.

Was ist dein Lieblingsort in Kenia? Samia. Dort komme ich her, es ist ein kleines Dorf. Die Menschen dort fragen eine/n Fremde/n nicht, aus welchem Stamm er oder sie kommt, sondern heissen die Person einfach als Menschen willkommen. Ausserdem ist es sehr sicher, weil es einen starken sozialen Zusammenhalt gibt.

Ein weiterer Vorteil von Samia ist, dass der Ort direkt an der Grenze zu Uganda liegt. Das heisst, wann immer wir mit Entscheidungen der kenianischen Regierung nicht einverstanden sind, richten wir uns einfach nach den ugandischen Regeln. Und falls es in Kenia mal Nahrungsknappheit gäbe, könnten wir problemlos über die Grenze gehen, um Essen zu besorgen.

Womit hast du dein erstes Geld verdient? Als Kind, wenn wir Geld für Kleider brauchten, gab es für uns drei Wege, an dieses zu kommen. Entweder konnten wir Früchte ernten und diese verkaufen. Oder unsere Mutter organisierte einen kleinen Job auf der Farm eines Nachbarn für uns, beispielsweise, die Hecken zurückzuschneiden. Eine weitere Möglichkeit war es, Maniok-Wurzeln auszugraben und diese auf dem lokalen Markt zu verkaufen.

Wie verläuft ein gewöhnlicher Wochentag bei dir? Bei mir gibt es zwei Arten von gewöhnlichen Wochentagen. Wenn ich in Nairobi bin, stehe ich um 5:00 Uhr früh auf und schaue dann CNN News im Fernsehen, um zu erfahren, was auf der Welt passiert – zum Beispiel, ob es ein Erdbeben gab, ob Krieg ausgebrochen ist, oder welche neuen Erfindungen es gibt. Danach schalte ich auf die kenianischen Nachrichten um. Danach plane ich meinen Tag, lese in Büchern und mache mich dann etwa um 7:30 Uhr auf den Weg zur Arbeit. Frühstück esse ich entweder zuhause oder dann irgendwann später. Meine Tätigkeiten am icipe sind sehr unterschiedlich, das hängt davon ab, was gerade erledigt werden muss. Zu Mittag mache ich eine einstündige Pause; ich nehme mein Essen eigentlich immer selbst mit. Etwa um 20:00 Uhr gehe ich dann wieder nach Hause, esse zu Abend und erledige Arbeit für die Familie. Das heisst, ich telefoniere mit meinen Kindern, frage, ob sie irgendetwas brauchen. Oder ich organisiere mit meinen Freunden Aktivitäten zum Erhalt der Biodiversität, welche wir in Samia in Eigenregie durchführen. Abends trage ich auch immer Wasser vom ersten Stock hoch in den fünften. Dies, weil das Wasser vom Ndakaini Damm, welcher die Hauptquelle für das Trinkwasser in Nairobi ist, wegen Wasserknappheit rationiert wurde. Und um 23:00 gehe ich ins Bett.

Wenn ich in den Ferien zuhause bei meiner Familie bin, stehe ich ebenfalls um 5:00 Uhr auf. Danach sieht der Tagesablauf aber ganz anders aus: Morgens schauen wir nach den Tieren, pflügen vielleicht einen Acker oder erledigen andere anfallende Arbeiten auf der Farm. Etwa um 10:00 Uhr putzen wir unser Haus und räumen die Farm auf. Um 11:00 Uhr gibt es Frühstück. Danach geht die Arbeit auf der Farm weiter; wir trocknen z.B. Maniok, unser Hauptnahrungsmittel, in der Sonne und bereiten unser Mittagessen vor. Zwischen 14:00 und 14:30 Uhr essen wir zu Mittag. Am Nachmittag kümmern wir uns vor allem um die Tiere und bringen sie zu neuen Standorten, wo sie frisches Gras fressen können. Auch gehen wir zum Fluss und holen Wasser. Abends helfe ich meiner Frau, die Buchhaltung zu führen, oder wir organisieren Unterstützung für die Arbeit auf der Farm, falls wir diese benötigen werden. Um 21:00 Uhr essen wir zu Abend, danach gehen wir ins Bett.

IMG_2702

Nixon schätzt den persönlichen Ausatusch mit den Kleinbauern und -bäuerinnen am Rande des Kakamega Regenwalds und gibt ihnen gerne Tipps zu biologischen Anbaumethoden.

Hast du schon einmal Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis erlebt? Und wenn ja: Was war daran positiv, was negativ? Privat hatte ich noch nie mit Entwicklungszusammenarbeit zu tun, aber beruflich dafür praktisch täglich. Bevor wir mit diesem Projekt mit Biovision und anderen Partnern begannen, habe ich am icipe schon bei zwei anderen Entwicklungszusammenarbeitsprojekten mitgearbeitet.

Generell sehe ich die Entwicklungszusammenarbeit als sehr positiv. Dank Wissen, welches ich über meine Arbeit erlernen konnte, hat sich auch mein eigenes Leben verändert. Zum Beispiel essen wir viel weniger Fleisch als früher, weil wir um die Effekte, die Tiere auf die Umwelt haben können, Bescheid wissen. Auch konnte ich guten Gewissens ein Angebot einer Firma, welche mein Land für eine Zuckerrohrplantage mieten wollte, ablehnen. Denn ich weiss, dass sich das längerfristig nicht lohnen würde, weil eine Monokultur meine Bodenstruktur verändern würde – und das nicht zum Guten. Danach wäre es wohl nie mehr möglich, die gleiche Bodenfruchtbarkeit hinzubekommen. Ich gebe mein Wissen auch an meine Kinder weiter; als nächstes möchte ich auf dem Maisfeld von meinem Sohn die Push-Pull Technologie einführen.

Die Herausforderung in der Entwicklungszusammenarbeit sehe ich vor allem darin, dass gewisse Partner nur sehr kurzfristig Geld zusichern. Innerhalb dieser kurzen Periode erwarten sie dann auch bereits sichtbare Resultate. Aber es braucht Zeit, die Kleinbauern und -bäuerinnen davon zu überzeugen, ihre Praktiken zu verändern – auch deswegen, weil vielen die Grundausbildung zu nachhaltiger Landwirtschaft fehlt. Zudem haben sie individuelle Bedürfnisse, weil nicht alle die gleichen Nahrungsmittel kultivieren. Zuerst müssen wir also überhaupt mal feststellen, welches Wissen für die jeweilige Community von Nutzen ist, und danach müssen wir die Kleinbauern und -bäuerinnen in den biologischen Anbaumethoden ausbilden. Diese Prozesse brauchen nun mal Zeit, und Resultate werden erst nach einiger Zeit sichtbar.

Was bereitet dir am meisten Sorgen? Der Klimawandel und die damit verbundene Ausbreitung von neuen Krankheiten. Der Fall Armyworm ist hier in Kenia ein grosses Problem – wir arbeiten zwar an Lösungen, aber ich frage mich manchmal: Was kommt wohl nach dem Fall Armyworm? Werde ich meine Familie auch in Zukunft noch ernähren können?

Was wünschst du dir für dein Land? Ich wünsche mir, dass mehr Personen auf ihrer eigenen Farm gutes Geld verdienen können. Einige versuchen, in irgendwelchen Firmen das grosse Geld zu machen, aber das geht – wenn überhaupt – nur kurzfristig gut. Auch hoffe ich, dass die Lebenserwartung in Kenia steigen wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s