Die Projektevaluation – eine komplexe Angelegenheit

Christopher Mutunga ist Umweltwissenschaftler und Förster. Momentan arbeitet er als Evaluator meines Beispielprojekts am icipe. Ich habe ihn gefragt, wie so eine Projekt-Evaluation von Statten geht und wo dabei die Herausforderungen liegen.

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Christopher Mutunga bei der Arbeit.

Christopher Mutunga sitzt im Büro von Rose und schaut konzentriert auf seinen Bildschirm. Daneben liegt ein Notizblock. Für Christopher ist es das vierte Projekt, das er als Evaluator untersucht. «Das Projekt, welches ich zuletzt auswertete, hatte ebenfalls den Schutz der Biodiversität zum Ziel», erzählt der 40-Jährige. «Aber das hier ist das erste Projekt, welches ich fürs icipe und für Biovision unter die Lupe nehme.»

Die Arbeit, die Christopher als Projekt-Evaluator macht, ist für das Projekt zentral. «Grundsätzlich geht es um die Frage, ob die Begünstigten des Projekts wirklich profitierten», erklärt Christopher. «Auch muss ich beurteilen, ob die lokale Bevölkerung nach Projektende dazu in der Lage sein wird, das Erarbeitete weiterhin umzusetzen.» Bei meinem Beispielprojekt geht es also insbesondere um die Frage, ob die Community die Fähigkeiten dazu hat, das Muliru Farmers Conservation Group Enterprise auch ohne direkte Unterstützung der Projektpartner erfolgreich weiterzuführen. Doch wie will Christopher das beurteilen?

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Die Evaluation ist ein zentraler Bestandteil eines Entwicklunsgzusammenarbeitsprojekts – und weist viele Herausforderungen auf.

«Zuerst lese ich jeweils sämtliche Projektdokumente durch», berichtet der Evaluator. Diese bestehen aus den Projekt-Proposals, den Logframes und den Projektberichten. In den Logframes werden pro Projektphase die eigentlichen Ziele quantifiziert. Also zum Beispiel: Wie viele Kleinbauern und -bäuerinnen sollten während der Projektzeit an Workshops zu welchen Themen teilnehmen?, Wie viele Produkte werden entwickelt?, Wie viel Gewinn sollte das Unternehmen machen? und so weiter.

Auf diesen Indikatoren baut Christopher auf. Nachdem er alle Dokumente durchgearbeitet hat, entwickelt er Methoden, um im Feld die Daten zu den Indikatoren zu erheben. «Zum Beispiel brauche ich eine Methode, um festzustellen, ob die lokale Bevölkerung verstanden hat, wie man ein Unternehmen führt», erklärt Christopher. «Die Methode könnte beispielsweise sein, mit den Personen strukturierte Interviews zu führen. Auch werde ich die Buchführung des Unternehmens unter die Lupe nehmen. Wenn diese gut ist, stehen die Chancen dafür, dass das Unternehmen weiterhin funktionieren kann, viel besser.» Für ihn sei es auch wichtig zu sehen, ob schriftliches Material vorhanden sei, auf welches die Community bei Unklarheiten zurückgreifen könne, erzählt Christopher weiter. Dazu gehören in meinem Beispielprojekt u.a. die Anleitungen zum Anbau der Medizinalpflanzen oder das Manual zum Führen eines Unternehmens.

Das alles ist aber nicht so einfach, wie es tönt; sowohl die Auswahl der Indikatoren als auch die Wahl der Messmethode bringt grosse Herausforderungen mit sich. «Manchmal weiss man zum Beispiel nicht, ob einen die Personen in den Interviews wirklich die Wahrheit sagen», erzählt Christopher. «Und manchmal ist das Erfassen von Daten sehr schwer, zum Beispiel darüber, ob der Regenwald nun weniger übernutzt wird.» In solchen Fällen ist Christopher auf die Unterstützung lokaler Behörden angewiesen.

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Trotz der gravierenden Konsequenzen, die ein Evaluationsbericht je nach Ergebnis haben kann, ist Christopher mit seiner Arbeit glücklich. „Ich schätze insbesondere den direkten Kontakt zu verschiedensten Bevölkerungsgruppen“, erzählt er mir.

Am Ende der Evaluation schreibt Christopher einen Bericht, welchen er dann den Projektverantwortlichen präsentiert. Die Konsequenzen seiner Forschung können gravierend sein: «Wenn das Projekt keine guten Erfolge aufweist, ist es möglich, dass Geldgeber abspringen», sagt Christopher. Gleichzeitig sei den Beteiligten aber bewusst, dass es kaum ein Projekt gäbe, bei welchem alle Ziele vollumfänglich erreicht wurden. «Es gibt immer Herausforderungen in einem Projekt. Das Wichtige ist für mich nicht, herauszufinden, dass gewisse Ziele vielleicht nicht erreicht werden konnten – sondern vor allem warum. Nur so kann ich beurteilen, ob die Herausforderungen vielleicht in einem Folgeprojekt angegangen werden könnten.» Einige Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit liegen aber, so ist Christopher überzeugt, deutlich über den Handlungsmöglichkeiten der Personen, die das Projekt umsetzen.

Und wie ist nun Christophers Eindruck von meinem Beispiel Projekt? «Ich habe gerade erst mit meiner Arbeit begonnen, also kann ich noch nichts Abschliessendes sagen», meint der Evaluator. «Aber mein bisheriger Eindruck aus den Projektdokumenten ist ein sehr guter; die Indikatoren scheinen mir sinnvoll gewählt, was mir meine Arbeit erleichtert.»

7 Gedanken zu „Die Projektevaluation – eine komplexe Angelegenheit

    • Doch, das ist natürlich sehr schwer und wohl auch die grösste Herausforderung in der Entwicklungszusammenarbeit ;-). Aber es gibt wohl keinen Weg, die Evaluation einfacher zu gestalten, weil die Thematiken einfach zu komplex sind.

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