Mehr lokale Unternehmen

Thomas Mmasi

Thomas Mmasi

Thomas Mmasi ist nicht nur Kleinbauer und Pfarrer, sondern auch Gründer der Muliru Farmers Conservation Group. Der 73-Jährige erzählt euch in diesem Porträt der Woche vom Beginn der Zusammenarbeit mit dem icipe – und davon, dass solche Projekte nicht alle persönlichen Erwartungen erfüllen können.

Name: Thomas Mmasi

Alter: 73

Beruf: Kleinbauer und Pfarrer

Wohnsituation: Ich lebe gemeinsam mit meiner Frau in einem Lehmhaus mit fünf Räumen.

Was ist dein grösster Traum? Mein Traum ist es, dass meine Kinder ein gutes Leben haben können. Dazu gehört für mich auch, dass sie an Gott glauben.

Was ist dein Lieblingsort in Kenia? Mein Zuhause. Hier kriege ich ein kleines Einkommen, und ich habe ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn.

Womit hast du dein erstes Geld verdient? Nach der Primarschule habe ich als Farmer mein erstes Geld mit dem Anbau von Mais verdient. Danach habe ich begonnen, Medizinalpflanzen zu kultivieren, und ich hatte auch Bienenstöcke, die mir ein Einkommen brachten.

Wie verläuft ein gewöhnlicher Wochentag bei dir? Ich stehe etwa um 4 oder 5 Uhr früh auf. Danach bete ich. Nach dem Frühstück erledige ich leichte Arbeit auf der Farm. Manchmal wird danach nach mir gefragt, für spirituellen Rat oder für Gesundheitsberatungen, dann gehe ich zu diesen Personen nach Hause. Wenn nicht, erledige ich weiterhin leichte Arbeit auf meiner Farm. Danach ruhe ich mich aus; etwa um 17:00 Uhr esse ich mit meiner Frau und meinen Kindern zu Abend. Etwa um 21:00 Uhr gehe ich ins Bett. Vorher lese ich noch in der Bibel oder in anderen Büchern.

Hast du schon einmal Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis erlebt? Und wenn ja: Was war daran positiv, was negativ? Ja, als ich jung war, habe ich sehr direkt von Entwicklungszusammenarbeit profitiert. Verschiedene Organisationen oder Einzelpersonen haben mir meine Ausbildungen in nachhaltiger Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft ermöglicht. Im Jahr 1997 habe ich zusammen mit Okeka, einem guten Freund, die Muliru Farmers Conservation Group gegründet. Unsere Idee war es, den Regenwald zu schützen und dazu die Pflanzen, die wir aus dem Regenwald brauchen, auf unseren eigenen Farmen anzubauen. Wir züchteten viele Baumsetzlinge – mit biologischen Anbaumethoden, um den Boden fruchtbarer zu machen. Im selben Jahr kam das icipe zu uns in den Regenwald, auf der Suche nach interessierten Kleinbauern und -bäuerinnen für den Anbau von Medizinalpflanzen. Die dazu nötige Forschung sollte die Nairobi Universität übernehmen. Eunice, die Führungen im Regenwald anbietet, vermittelte das icipe damals an mich, weil sie um mein Engagement im Umweltbereich und in der Muliru Farmers Conservation Group wusste. Wir beschlossen dann, ein gemeinsames Projekt zu starten. Das icipe suchte nach Geldgebern, während wir von der Muliru Farmers Conservation Group Setzlinge der Medizinalpflanzen aufzogen. Über die Jahre entstand dann das heutige Muliru Farmers Conservation Group Enterprise. Ich selbst habe mein Amt als Präsident nach fast 15 Jahren 2003 niedergelegt und es an Jüngere übergeben.

Ehemalige Testfläche

Auf dieser Fläche vor Thomas Mmasis Haus wurde vor 21 Jahren das erste Medizinalpflanzenfeld versuchsweise angebaut.

Im Allgemeinen sehe ich die Entwicklungszusammenarbeit sehr positiv, weil sie vielen Personen hier helfen konnte. Als Herausforderung sehe ich, dass wir aus der Community ohne direktes zusätzliches Einkommen für das Projekt arbeiten – nebst unserer täglichen harten Arbeit auf den Farmen und ohne direktes zusätzliches Einkommen. Ich persönlich habe für das Projekt viel aufgegeben, weil es mir wichtiger war, mich für die Community zu engagieren als für meine eigene Farm. So beispielsweise mein Geschäft mit Setzlingen für Bäume aus dem Regenwald, was vor dem Projekt gut lief. Auch meine Bienenstöcke konnte ich nicht mehr weiter betreuen. Aber dafür hat die Gemeinschaft hier nun ein funktionierendes Unternehmen, was mich sehr freut.

Was bereitet dir am meisten Sorgen? Für mich ist es schwer, das nötige Geld zum Überleben zusammenzubringen, da ich wegen meines Alters keine strenge körperliche Arbeit mehr erledigen kann. Ich hatte an das Muliru Farmers Conservation Group Enterprise grosse Erwartungen, merke aber jetzt, dass ich persönlich praktisch keinen finanziellen Gewinn davon habe. Um selbst Medizinalpflanzen anzubauen, fehlt mir die Kraft.

Was wünschst du dir für dein Land? Ich wünsche mir, dass mehr Unternehmen wie das Muliru Farmers Conservation Group Enterprise in Kenia gegründet werden. Statt dass die Jugendlichen auf der Suche nach Arbeit in die grossen Städte wie Nairobi oder Mombasa ziehen, könnten sie ihre eigenen lokalen Unternehmen gründen und so für Arbeitsplätze vor Ort sorgen. Ich würde mir wünschen, dass die kenianische Regierung solche lokalen Initiativen unterstützt.

2 Gedanken zu „Mehr lokale Unternehmen

  1. Woran es wohl liegt, dass Thomas, trotz guten Ausbildungen und langjähriger Mitarbeit im Projekt, jetzt nur knapp überleben kann? Wer macht denn jetzt die schwere Arbeit auf seiner Farm? Und wie wird er leben, wenn er eines Tagen nicht mehr arbeiten kann? Werden ihn seine Kinder unterstützen?

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