«Der Gewinn muss ersichtlich sein»

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Rose Marubu

Rose Marubu arbeitet am icipe in «meinem Projekt». Familie, Arbeit am icipe und Feldarbeit – all das bringt sie gekonnt unter einen Hut. In diesem «Porträt der Woche» erzählt sie uns unter anderem, wo ihrer Ansicht nach die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung des Projekts liegen.

Name: Rose Marubu

Alter: 40

Beruf: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am icipe

Wohnsituation: Ich lebe gemeinsam mit meinem Mann und meinen drei Kindern in einem Haus. Tagsüber kommt eine Haushaltshilfe zu uns, die mich bei der Arbeit zuhause unterstützt. Meine älteren Kinder sind 18 und 10 Jahre alt; das kleinste ist gerade mal fünf Monate jung.

Was ist dein grösster Traum? Ich habe den Master in Chemie – mein grösster Traum wäre es nun, auch noch ein Doktorat machen zu können.

Was ist dein Lieblingsort in Kenia? Am liebsten mag ich die Orte an der Küste, wie beispielsweise Malindi. Dorthin fahren wir manchmal in den Urlaub.

Womit hast du dein erstes Geld verdient? In der achten Klasse arbeitete ich einem Optikgeschäft und war für die Qualitätskontrolle von Brillengläsern verantwortlich. Der Lohn richtete sich dabei nach der Anzahl der kontrollierten Brillengläser.

Wie verläuft ein gewöhnlicher Wochentag bei dir? Ich stehe jeweils um 5:30 Uhr in der Früh auf. Danach erledige ich meine Körperpflege und bereite dann das Frühstück für die ganze Familie zu. Um 7:30 Uhr fahre ich in meinem Auto zum icipe, wo ich ca. um 8:00 Uhr ankomme. Dort checke ich jeweils zuerst meine Mails und erledige dann entweder administrative Arbeit oder gehe ins Labor. Um ca. 17:00 Uhr verlasse ich das icipe; danach bereite ich das Abendessen für die Familie zu, erledige mit den Kindern ihre Hausaufgaben und bringe sie dann ins Bett. Um 22:00 Uhr gehe ich selbst auch schlafen.

Hast du schon einmal Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis erlebt? Und wenn ja: Was war daran positiv, was negativ? Ich arbeite ja sozusagen direkt in der Entwicklungszusammenarbeit. Ich denke, Kenia kann enorm von externen Geldern profitieren – weil oft haben wir gute Ideen, aber uns fehlt das Geld, um sie umzusetzen. Ich persönlich erlebe es auch als extrem bereichernd, mit anderen zusammenzuarbeiten und so selbst stets dazuzulernen.

Als Herausforderungen in unserem Projekt würde ich zwei Dinge nennen: erstens gibt es manchmal eine Sprachbarriere, weil von der älteren Generation der Kleinbauern und -bäuerinnen nicht alle lesen oder schreiben können. Wir versuchen dann, über die jüngere Generation «zu übersetzen». Zweitens ist es eigentlich immer so, dass die lokale Bevölkerung nur dann bereit ist, etwas zu ändern, wenn für sie ein direkter Gewinn daraus entsteht. Für uns ist es also extrem wichtig, den Gewinn für die Kleinbauern- und bäuerinnen sichtbar zu machen. Dabei reicht es nicht, einfach zu sagen, dass die Aktivitäten «gut für die Umwelt» sein werden – sondern es muss ersichtlich sein, wie sich die Lebensgrundlage der Kleinbauern und -bäuerinnen durch die Projekt-Aktivitäten verbessern könnte. Dieses «Marketing» für das Projekt ist manchmal schwer, aber eben unbedingt nötig. Und mit der Zeit lernt man, wie man kommunizieren muss, um erfolgreich zu sein.

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Nicht alle Personen, die rund um den Kakamega Regenwald leben, können lesen und schreiben.

Was bereitet dir am meisten Sorgen? Mir bereitet die Wirtschaft unseres Landes Sorgen. Sie ist instabil; ausserdem steigen die Lebensunterhaltungskosten stetig, ohne dass sich der Lohn in einem ähnlichen Masse verbessern würde. Gerade für diejenigen, die eine Miete bezahlen müssen, ist es sehr schwer. Diesbezüglich habe ich Glück, weil unser Haus der Familie gehört.

Was wünschst du dir für dein Land? Ich wünsche mir, dass die Politik und die Wirtschaft stabil werden. Das hängt nämlich direkt zusammen: Bei einer instabilen politischen Situation springen Investoren ab oder Projektpartner haben Angst davor, Geld zu sprechen. In denjenigen Regionen, in denen wir momentan arbeiten, ist die politische Situation zwar mittlerweile stabil. Aber es kam auch schon vor, dass es sozusagen «auf dem Weg» zum Projektstandort zu Gewalt kam, und dann können wir diesen nicht mehr sicher erreichen. All diese politischen Probleme machen dann letztendlich auch die Wirtschaft instabil. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.

3 Gedanken zu „«Der Gewinn muss ersichtlich sein»

  1. Jedes deiner Portraits bringt mir eine Stimme hierher aus einem Land von dem ich kaum eine reale Vorstellung habe. Mir ist aber auch bewusst dabei, dass diese Menschen nicht die ganze Bevölkerung von Kenia repräsentieren, da sie gebildet sind und anders leben als viele andere Menschen auf dem Land. Danke für diese Bilder und Texte!

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