Von Wasser und Strom

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Fliessendes Wasser ist in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit, in Nairobi hingegen fast schon eine Seltenheit.

Mittlerweile bin ich genau 20 Tage in Nairobi. Ich habe mich gut eingelebt – obwohl es vieles gibt, was hier für mich neu ist. Zum Beispiel, dass das Wasser oder der Strom manchmal ausfallen.

Es ist sehr ungewohnt, den persönlichen Rhythmus der Wasserverfügbarkeit anpassen zu müssen. Duschen, abwaschen, Wäsche waschen, Toilette spülen: all das geht nur, wenn Wasser da ist. Letzte Woche gab es von Montag bis Mittwochabend spät kein Wasser. Als es am Mittwochabend wieder da war, dachte ich: «oh, super, dann kann ich ja morgen früh eine Dusche nehmen» – aber das war leider nichts, denn am Morgen war das Wasser schon wieder verschwunden. Also musste ich bis am Abend warten. Als das Wasser dann wieder in den WC Tank floss (das klingt hier, als würden 100l Wasser in einem riesigen Rohr runtergespült und links und rechts wären Lautsprecher, die das Geräusch verstärken), stellte ich den Dusch-Schalter von «kalt» auf «warm» um und genoss ca. drei Minuten warmes Wasser. Als ich gerade die Haare eingeschäumt hatte und das Wasser wieder anstellte, machte es «klick» und das Licht war weg, also der Strom – und damit auch das warme Wasser. So musste ich die Dusche kalt zu Ende bringen.

Es war nicht das erste Mal, dass der Strom ausfiel. Obwohl Kenn eigentlich meinte, dass das hier wirklich selten passiere. Für dieses Mal sollte er tatsächlich Recht behalten: Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, war ich selbst das Problem gewesen: Ich hatte vergessen, Strom-Units nachzukaufen. Wenn man in eine neue Wohnung einzieht, hat man in den ersten Tagen noch Strom vom Vormieter – danach muss man sich den Strom jeweils im Voraus beim Stromanbieter kaufen. Dazu geht man in einen Shop, gibt seine persönliche «Stromnummer» an und kriegt dann für Geld eine bestimmte Anzahl Strom-Units. Zum Glück war also mein Stromproblem am nächsten Tag schnell behoben.

Die ganzen Ausfälle haben übrigens auch ihre gute Seite: Ich lerne Wasser und Strom wirklich zu schätzen und merke, wie anders das Leben ohne ist. Und ich lerne, Wasser sparsam zu verbrauchen, wenn ich weiss, dass ich für einen Tag (oder vielleicht auch für länger) nur diesen einen 5l-Kanister zur Verfügung habe.

Ein Gedanke zu „Von Wasser und Strom

  1. Danke Daria für deine Erzählung. Mir kamen dabei unsere Zeltferien in meiner Kindheit in den
    Sinn. Damals habe ich ebenfalls (vielleicht nicht sehr bewusst, aber es blieb hängen) kurz gelernt mit Wasser sparsam zu sein. Wir hatten so einen Beutel mit kleinem Hahn, der an einer Pinie festgebunden war und der zum Händewaschen und Zähneputzen sparsam Wasser abgab. Mit dem WC war es auch so eine Sache. Erstens war es weit weg (jedenfalls auf dem „wilden“ Vada-Zeltplatz) und zweitens konnten wir in der Nacht nur in einen Topf pinkeln. Am Morgen machten wir dann eine sorgsam langsame „Hafentour“. ;-)) Zudem musste das Wasser zum Kochen und Füsse waschen in Kanistern zum Zelt geholt werden. Die Haare „wusch“ das Meerwasser und es wurde ziemlich griffig und etwas steif. Ja klar! Das ist nicht vergleichbar mit deiner Situation jetzt, aber es kam mir sehr spontan als Bild aus der Vergangenheit in den Sinn. Es zeigt, dass Erzählungen beim zuhörenden Menschen sofort in Bilder umgewandelt werden können und bei jedem Menschen ihre Wirkung etwas anders ist.
    Mich freut von dir zu lesen, dass du dich schon recht gut eingelebt hast. Auch weiterhin wünsche ich dir ganz viele Erlebnisse, die deinen Horizont erweitern und die dir Wertvolles für dein weiteres Leben mitgeben werden. Ich grüsse dich herzlich und freue mich auf deinen nächsten Bericht!!

    Gefällt 1 Person

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