Den Druck auf den Regenwald verringern

Nachdem ich nun sieben Projekt-Anträge des ICIPE an Biovision durchgelesen habe (insgesamt über 200 Seiten), raucht mein Kopf. Aber so langsam verstehe ich immer besser, wie «mein Beispiel-Projekt» funktioniert und was es alles beinhaltet.

Die Ausgangslage: Die Bevölkerung, welche beim Kakamega Regenwald lebt, ist vom Wald in vieler Hinsicht abhängig. Beispielsweise wird Feuerholz benötigt, aber auch Baumaterial und Medizinpflanzen werden dem Wald entnommen. Dazu kommt: Um Fläche für die Landwirtschaft oder fürs Wohnen freizugeben, muss der Regenwald der Bevölkerung weichen. Mit dem Bevölkerungswachstum werden diese Probleme verschärft.

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Die Ausgangslage beim Kakamega Regenwald.

Der Kakamega Regenwald ist in Kenia das letzte Fragment eines riesigen Waldes, welcher sich einst von der Westküste Afrikas bis nach Kenia und Tanzania erstreckte. Er ist für die Biodiversität von Bedeutung und beheimatet endemische Arten. Wem das als Anreiz zum Schutz des Regenwaldes nicht reicht: Die Übernutzung des Regenwalds hat negative Rückwirkungen auf die Bevölkerung selbst. Die Wasserqualität sinkt und gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung, die Bestäuber werden weniger und verringern die Ernte – und weniger Wald kann weniger CO2 senken, was längerfristig zur Klimaerwärmung beiträgt. Also was tun?

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Ein Affe im Kakamega Regenwald. © Peter Lüthi / Biovision

Der Projektansatz: Das icipe, Biovision und weitere Partner haben sich dazu entschlossen, die Probleme direkt bei der Ursache anzugehen (und nicht beispielsweise nur den Regenwald zum Schutzgebiet zu erklären). Die Hauptidee ist, der lokalen Bevölkerung alternative Verdienstmöglichkeiten aufzuzeigen, so dass ihr Überleben nicht mehr von der Übernutzung des Regenwalds abhängt – und der Regenwald deshalb geschont wird.

Wirkungsdiagramm mit Projekt_german_RGB

Wirkungsgefüge des Projekts (grün) verbunden mit der Ausgangslage (schwarz).

Konkret werden dazu medizinische Pflanzen angebaut (auf bestehendem Land), aus welchen dann Produkte hergestellt werden. Solche Produkte sind bspw. pflegende Crèmes, aber auch Biopestizide (siehe auch: «Schutz für Bienen dank Biopestizid»). Die Wertschöpfung findet durch die Produktion und Vermarktung vor Ort statt. So werden «Ecopreneurships», also ökologische Unternehmen gegründet. Auch wird die Imkerei gefördert, was dem Bienensterben zusätzlich entgegenwirken soll. Sowohl die Imkereien als auch die Ecopreneurships erhöhen das Einkommen der lokalen Bevölkerung und verringern somit die Übernutzung des Regenwaldes.

Ausserdem soll die Bevölkerung dank Umweltbildungs-Programmen und Biomonitoring-Projekten für das Ökosystem «Regenwald» sensibilisiert werden und auch die komplexen Ökosystemdienstleistungen besser verstehen. Dies ist wichtig, damit «der Sinn» hinter dem Regenwaldschutz klar wird.

Das wäre also grob umrissen das Projekt. Nun interessiert mich natürlich brennend, ob in der Praxis wirklich alles so gut funktioniert wie auf meinem Wirkungsdiagramm: Erzielen die Ecopreneurships Gewinne? Wird der Regenwald tatsächlich weniger ausgebeutet? Und wie misst man das eigentlich? Ich hoffe, dass ich dazu bald mehr herausfinde.

8 Gedanken zu „Den Druck auf den Regenwald verringern

  1. Tönt überzeugend!
    Bin gespannt, was du über die Wirkung auf den verschiedenen Gebieten herausfinden kannst. Wie lange gibt es dieses Projekt schon in Kenia?

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    • Nach meinem Wissenstand unterstützt Biovision das Projekt seit 2005 (es waren aber mehrere Projektphasen). Wie lange das ICIPE mit anderen Partnern schon an Medizinpflanzen etc. forscht, will ich noch herausfinden. Und auch, wie sie genau auf diese „nützlichen“ Pflanzenarten gekommen sind.

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  2. Mir wird gerade auch durch diesen Bericht einmal mehr klar, dass die Menschheit reagiert auf das was ist. Mit anderen Worten: Es wird selten voraus gesehen wie was wo wirken wird. Der Mensch will leben, überleben, will möglichst gut leben und versucht stets aus dem Bestehenden das Beste für sich zu machen. Was dabei aber teilweise fehlt ist der Blick auf das Ganze. Solange der Wald da ist kann er genutzt werden. Wenn seine Vielfalt verschwindet sucht man nach neuen Verhaltensweisen um ein neues Gleichgewicht zu schaffen…… Jede Generation übernimmt das, was die vorherigen geschaffen oder zerstört haben. Sie versucht ihrerseits den Schaden zu erkennen und damit wieder sinnvoll und lebensbejahend umzugehen. Der Antrieb ist das Leben, die Schaffenskraft, die Intelligenz, der Geist, die Liebe. Danke Daria, dass du mithilfst eine gute Welt zu schaffen. Jeder kleine Schritt ist grösser als du denkst!

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    • Danke für den spannenden Kommentar! Ich bin einverstanden, dass längerfristiges Denken oft zu kurz kommt. Aber das ist auch schwer: Es ist beispielsweise praktisch unmöglich, genau vorherzusagen, wie ein Ökosystem auf einen Einfluss reagiert – kurzfristig auch, aber langfristig natürlich umso mehr. Das heisst, man muss handeln (und bspw. den Regenwald schützen), ohne wirklich genau zu wissen, was man damit tut. Und es kann auch passieren, dass man mit guter Absicht handelt, dieses Handeln aber negative Nebeneffekte hat, die alle guten Absichten überkompensieren^^

      Und ein weiterer Gedanke: Ich finde es absolut faszinierend, dass man „nur“ vom Regenwald leben kann. (Und sogar wenn dabei der Regenwald übernutzt wird, richtet ein solcher Lebensstil wahrscheinlich immer noch bei weitem weniger Schaden an, als wir mit unserem Lebensstil in der Schweiz ;-)) Aber ob jetzt in Bern oder im Kakamegaregenwald: mit dem Bevölkerungswachstum sind wir gezwungen, neue Lebensweisen zu entdecken, um langfristig ein „gutes Leben“ für alle zu ermöglichen. Ich hoffe wie du, dass wir irgendeinen Weg finden werden, und ich glaube auch , dass der „Schlüssel“ dazu in kleinen Schritten liegt.

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  3. Hoy Daria! Jaja, Kakamega ist definitiv ein Kleinod, ein „Hotspot der Biodiversität“. Ich war im Februar 2016 dort und es war affenheiss und sehr trocken – da war von der Tierwelt nicht viel zu entdecken. Halte aber die Augen offen, in der Regenzeit kommen viele Lebewesen hervor die man sonst nie sieht. Ich bin Herpetologe (Amophibien und Reptilienforscher) und speziell interessiert an erdwühlenden Reptilien und Amphibien – wenn Du nach einem starken Regen in Kakamega komische „Blindschleichen“ aus dem Boden kommen siehst unbedingt fotografieren und mir die Bilder senden. Die Kleintier-Fauna in Kakamega ist noch nicht bis ins letzte erforscht.
    Übrigens waren wir im „Gulf“ Hotel – der besten Unterkunft vor Ort in Kakamega. Leider hat aber unsere kleine Tochter im Swimming Pool ein böse Blasenentzündung aufgelesen – der Pool ist also mit Vorsicht zu geniessen!

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    • Alles klar, wenn ich Blindschleichen sehe, hörst du von mir! 🙂 Und merci für die Pool-Warnung; ich wurde allgemein vor dem Baden gewarnt, also lasse ich das wohl lieber bleiben. Das hole ich dann in der Aare nach, wenn ich im August zurück bin.

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