Umzug in Nairobi

Nun ist es geschafft und meine neue Wohnung in Nairobi ist bewohnbar. Umziehen in Kenia ist ein echtes Erlebnis. Ich erzähle euch, wie’s geht!

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Solche „to let“-Schilder hängen in Nairobi an jedem zweiten Haus.

Schritt 1: Wohnungsbesichtigung. Wohnungen können in Nairobi sehr spontan besichtigt werden. In meinem Fall habe ich mir gemeinsam mit Kenn, einem Kenianer, ein Quartier ausgesucht und dort nach «to let»-Schildern Ausschau gehalten. (Kenn ist ein Freund von Patricia, welche aus Deutschland kommt und am icipe ihre Masterarbeit schreibt. Er half mir in den ersten Tagn bei so ziemlich allem.) Auf den Schildern war auch jeweils eine Telefonnummer angegeben. Nachdem wir dort angerufen hatten, kam der Hausverwalter oder die Hausverwalterin innerhalb der nächsten Viertelstunde und zeigte uns die leeren Apartments. Das war wirklich super praktisch, denn so konnten wir an einem Nachmittag locker fünf verschiedene Wohnungen anschauen.

Ich hatte mich bereits im Voraus für eine unmöblierte Wohnung entschieden, da das viel billiger ist als eine möblierte. Die Möbel seien leicht zu beschaffen und nicht teuer, wurde mir gesagt.

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Die Küche vor meinem Einzug.

Schritt 2: Auswahl der Wohnung. Am Anfang war ich von den Wohnungen ehrlich gesagt nicht gerade begeistert. Viele waren ziemlich dunkel – und vor allem waren die Wände und Böden sehr schmutzig. Teilweise funktionierten auch die Wasserhähne nicht oder die Toilettenspülung war kaputt. Die VerwalterInnen meinten zwar immer: «we will fix this, no problem» – aber ich wusste nicht so recht, ob ich dem trauen kann. Aber was will man machen; ich brauchte eine Wohnung und beschloss, dem Verwalter der meiner Ansicht nach schönsten Wohnung seine Chance zu geben.

Schritt 3: Bezahlen. Ist die Wohnung ausgewählt, geht’s ans Finanzielle. Bevor ich einziehen konnte, musste ich die erste Monatsmiete (150 USD) plus eine zweite als Kaution plus eine Anzahlung an die Kosten fürs Wasser an die Verwaltungsfirma überweisen. Mit einem Foto der Bankdaten gingen wir (mein treuer Begleiter Kenn und ich) also zur Bank, liessen das Geld überweisen und uns eine Quittung drucken. Damit ging es zurück zum Verwalter, der nun mit der «Restauration» der Wohnung beginnen konnte. Er meinte, ich könne bereits am nächsten Tag einziehen.

Schritt 4: Möbel besorgen. Was braucht man eigentlich wirklich in einer Wohnung? Vor dieser Frage stand ich nun. Relativ schnell war klar: ein Bett. Auch ein Kochherd musste besorgt werden; Kleiderschrank, Küchentisch und Arbeitstisch standen ebenfalls auf der Liste.

Ein Bett konnte mir ein Bekannter eines Bekannten verkaufen. Dazu gingen wir in seine Wohnung und bezahlten es ihm direkt. Erst da kam mir plötzlich in den Sinn, dass wir das Bett ja irgendwie das enge Treppenhaus hinunter, dann zu meiner Wohnung und da dann wieder das enge Treppenhaus hinauf transportieren müssen würden – Fahrstühle gibt’s hier grundsätzlich keine. Aber ich beschloss, erstmal abzuwarten.

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So werden Gaskatuschen in Nairobi zum Verkauf angeboten.

Als Kochherd sollten zwei Gaskuschen mit Aufsätzen dienen. Diese kriegt man praktisch an jeder Strassenecke. Unterwegs fanden wir bei den Ständen entlang der Strasse noch einen Küchentisch, welchen wir für 34 USD erwarben. Nachdem ich bezahlt hatte, fragte mich der Verkäufer, welche Farbe ich denn wolle. Ich war verwirrt: «I want this table here», sagte ich, und zeigte auf den Tisch, den ich soeben gekauft hatte. Erst nach und nach verstand ich, dass man nach dem Erwerb von Möbeln diese immer noch gratis neu bestreichen lassen kann. Aber da mir das Ziegelrot des Küchentisches gut gefiel, konnte sich der Verkäufer diese Arbeit sparen.

Schritt 5: Der Umzug. Langsam wurde meine Frage nach dem Transport immer drängender. Wie um alles in der Welt sollten wir nun das Bett, den Tisch und die schweren Gaskanister in meine Wohnung kriegen? Und dann waren da ja auch noch meine Koffer im Guesthouse… Ausserdem fiel mir ein, dass ich die Umzugskosten im Budget gar nicht einberechnet hatte.

Aber in Kenia ist zum Glück einiges ein bisschen einfacher als in der Schweiz: anstatt einem Umzugsunternehmen anrufen zu müssen, sprach Kenn einfach den Fahrer eines kleinen Lasters am Strassenrand an und fragte ihn, ob er uns einige Möbel transportieren könne. Dieser willigte ein – und so fuhren wir mit dem Laster zum Guesthouse, um meine Koffer aufzuladen, dann mit den geladenen Koffern zu den Gaskanistern, dann weiter zum Bett, dann zum Küchentisch und schliesslich über die sehr holprige Strasse zu meinem neuen Zuhause. All das dauerte höchstens eine Viertelstunde – und die Männer übernahmen alles Schleppen, so dass ich eigentlich nur im Laster sitzen musste. Mein ganzes Hab und Gut wurde in meine Wohnung hochgetragen, und fertig der Umzug! Das alles kostete gerade mal 20 USD – meine Sorgen ums Budget erübrigten sich also.

Schritt 6: Einrichten. Der Verwalter hielt sein Versprechen fast vollumfänglich; die Wände der Wohnung waren neu gestrichen, der Boden grob geputzt und bis auf die Toilettenspülung funktionierte alles einwandfrei. (Als Übergangslösung muss ich nun jeweils mit einem Plastikeimer Wasser in die Toilette kippen.) Mit Kenn besorgte ich dann noch ein Kopfkissen, einige Glühbirnen und Toilettenpapier, alles andere konnte bis zum nächsten Tag warten.

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Mein neugeborenes Wohnzimmer. (Bald sollte hier auch noch ein Schreibtisch reinkommen.)

Nachdem ich gestern einen «Frühlingsputz» vorgenommen und mir noch einige weitere nützliche Gegenstände (Pfanne, Trinkwasserkanister, Besteck, Kochlöffel, Tasse, Teller, Vorhänge, Regal etc.) besorgt habe, ist meine Wohnung bereits ganz gut bewohnbar. Und das neu installierte Wifi ist das Tüpfchen auf dem «i», wenn es nicht gerade wegen Regen ausfällt.

7 Gedanken zu „Umzug in Nairobi

  1. Gratulation zur eigenen Wohnung! Toll, wie schnell du das geschafft hast, und beneidenswert, wie leicht das alles ging. Hoffentlich klappt’s nun noch mit dem WC!

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  2. Spannend, wie schnell, unkompliziert und günstig (für unsere Verhältnisse) man in Nairobi eine eigene Wohnung finden, beziehen und einrichten kann – das sollte man bei uns auch wieder einführen…
    Freue mich auf die Fortsetzung!

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  3. ja gell Daria das ist eine ganz andere Welt, die es nach und nach zu verstehen gilt. Ich wünsche dir genau so viel erfolg bei all deinen neuen Herausforderungen. Schön, immer wieder etwas von deinem leben in Kenia zu lesen! danke!

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  4. Pingback: „Ich wünsche mir politische Stabilität“ | Daria in Kenia

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